Sonntag, 31. Mai, 2026

Raus aus Big Tech #12 - Smartwatch


Einleitung Raus aus BigTech: Smartwatch

Wer wie ich eine Smartwatch von FitBit hat, kennt die Geschichte: Google hat Fitbit 2021 übernommen. Seitdem wird Fitbit Schritt für Schritt stärker in Googles Ökosystem eingebaut. Seit 19. Mai 2026 wurde die Fitbit-App zur Google-Health-App. Wer noch ein altes Fitbit-Konto hatte, musste auf ein Google-Konto umziehen, sonst funktionieren Fitbit-Dienste nicht mehr wie gewohnt. Google schreibt selbst, dass Fitbit Premium zu Google Health Premium wird und der neue Google Health Coach mit Gemini-KI dort eine zentrale Rolle bekommt.

Fitbit wirkt jetzt wie Google Health auf Fitbit-Hardware. Für Menschen wie mich, die Google meiden wollen, ist das eher unattraktiv. Für Android-Nutzer:innen kann es bequem sein, aber man muss akzeptieren, dass die Gesundheitsdaten bei Google landen. Ich habe es ausprobiert und muss sagen, Gemini ist beinahe ein bisschen aufdringlich, dauernd kommen ungebetene Ratschläge und Fragen zu Aktivitäten und Befinden, die ich beantworten soll. Meine Antworten werden gespeichert und für weitere Kommunikation genutzt. Wenn ich einen Chat lösche, sollen die darin enthaltenen Daten angeblich auch gelöscht sein…

Europäische Alternativen mit ähnlicher Funktion

Withings aus Frankreich ist wahrscheinlich die passendste europäische Fitbit-Alternative, wenn es um Alltag, Gesundheit und Schlaf geht: Aktivitäts- und Schlaftracking, EKG, SpO₂, Herzfrequenz, Temperaturtracking und lange Akkulaufzeit. Withings ist eine französische Marke, gegründet 2008, Fokus auf Connected Health. Laut Withings werden verarbeitete Gesundheitsdaten auf einer zertifizierten Plattform in Frankreich beim europäischen Betreiber BSO gehostet und nicht außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) übertragen.

Polar aus Finnland ist gut für Sport, Puls, Schlaf, Erholung und Trainingssteuerung. Polar Electro Oy sitzt in Kempele, Finnland, und tritt auch selbst als in Europa gegründet und headquartered auf. Polar ist seit Jahrzehnten im Bereich Herzfrequenz/Sporttracking aktiv.

Suunto ist ebenfalls finnisch und stark bei Outdoor, Sport, GPS, Recovery, Schlaf und Trainingsbelastung. Suunto Oy ist eine finnische Marke/Firma, gegründet 1936, Sitz in Vantaa/Finnland. Suunto wurde 1999 von Amer Sports übernommen und 2022 an Liesheng, ein chinesisches Wearables-/Elektronikunternehmen, verkauft. Das heißt: finnische Marke, finnischer Standort, aber chinesischer Eigentümer. Die Smartwatches werden zu 72% in Finnland hergestellt, der Rest in China.

Sonntag, 24. Mai, 2026

Praxisworkshop “Think like a Hacker: Daten, Spuren, Angriffsfläche”

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Am 3. Juni bin ich beim Future Fit Festival des waff dabei und halte im Rahmen der Code your Career-Messe einen Praxisworkshop.

In diesem Workshop schauen wir uns gemeinsam an, welche Informationen Menschen im Internet hinterlassen, welche davon öffentlich auffindbar sind und warum genau solche Informationen für Sicherheit und Angriffe relevant sein können. Wie entstehen digitale Spuren? Welche Rückschlüsse lassen sich daraus ziehen? Wo beginnt eine Angriffsfläche? Und was kann man im Alltag tun, um bewusster und sicherer mit den eigenen Daten umzugehen?

Die Teilnehmenden erhalten dabei einen ersten Einblick in die Denkweise der Cybersecurity: genau hinschauen, Informationen einordnen, Zusammenhänge erkennen und daraus Schutzmaßnahmen ableiten.

3. Juni, 15:10–16:00 Uhr
Technisches Museum Wien
Lila Raum, Ebene E 3
Future Fit Festival / Code your Career-Messe

Raus aus Big Tech #11 - ToDo-Listen und Organisation


Einleitung Raus aus BigTech: ToDo-Listen und Organisation

Digitale Selbstbestimmung beginnt ganz banal bei der Frage, wo unsere To-do-Listen liegen. Auf der Suche nach einer passenden Alternative zu Microsoft To-Do bin ich glücklicherweise auf MeisterTask gestoßen. Meister wurde 2006 von Till Vollmer und Michael Hollauf gegründet und hat seinen Hauptsitz in Wien, Österreich. Dabei ist das nicht alles, was Meister kann - es ersetzt einschlägige Tools von Microsoft, Google, Atlassian oder Meta zu Projekt- und Arbeitsmanagement.

Sonntag, 17. Mai, 2026

Raus aus Big Tech #10 - KI aus Europa


Einleitung Raus aus BigTech: KI aus Europa

Wenn wir über Künstliche Intelligenz reden, schauen viele automatisch in die USA: OpenAI, Google, Microsoft. Aber unsere europäische KI muss sich keineswegs verstecken:

Deutschland

Aleph Alpha aus Heidelberg setzt mit PhariaAI stark auf souveräne KI für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen, Pharia-1-LLM-7B kann im Kontext von Forschung und Bildung genutztwerden, allerdings ausdrücklich nur nicht-kommerziell.

FLUX.2 von Black Forest Labs aus Freiburg-im-Breisgau zeigt, dass europäische KI auch bei Bildgenerierung ganz vorne mitspielen kann.

DeepL aus Köln liefert hochqualitative Übersetzungen von Texten und sogar ganzen Dokumenten und Websites.

Schweiz

Lumo von Proton kommt aus Genf und positioniert sich bewusst als privatsphärefreundlicher KI-Assistent. Lumo gehört zur großen Proton-Produktpalette, über die ich bereits berichtet habe (Pass, VPN, Drive, etc.)

AlpineAi aus Davos hat den Fokus auf Behörden, Gesundheitswesen und Hochschulen.

Frankreich

Mistral AI aus Paris entwickelt leistungsfähige Sprachmodelle, die Open-Weight-Modelle sind auch auf eigener Hardware deploybar. Derzeit wird gerade ein Rechenzentrum in Schweden gebaut. Le Chat ist der Chatbot von Mistral.

Noota aus Toulouse ist ein DSGVO-konformer Meeting-Assistent für Unternehmen.

Schweden

Lovable aus Stockholm ist eine Vibe-Coding Plattform.

Großbritannien

Synthesia mit Sitz in London ist im Bereich KI-Videos sehr gut.

Europa und die KI

Die EU will KI in Europa fördern und wettbewerbsfähig machen, aber unter klaren Regeln: KI soll Innovation und technologische Souveränität stärken, gleichzeitig aber vertrauenswürdig, menschenzentriert, sicher und mit europäischen Grundrechten vereinbar bleiben.

Seit 1. August 2024 ist der europäische AI Act in Kraft - der erste umfassende Rechtsrahmen für KI in der EU. Er verbietet KI nicht pauschal, sondern unterscheidet nach Risiko. Je höher das Risiko für Menschen, Grundrechte, Sicherheit oder Gesundheit, desto strenger die Anforderungen.

Self-Hosting Experiment

Mich persönlich beschäftigt unter anderem gerade das Thema Self-Hosting. Mit OpenClaw teste ich, wie weit man mit lokaler KI auf eigener Hardware kommt: ohne dauernde Cloud-Abhängigkeit, mit mehr Kontrolle über Daten, Modelle und Arbeitsumgebung. Das ist bei weitem nicht so bequem wie ein fertiger Online-Dienst.

Und ja, es ist korrekt, dass OpenClaw Sicherheitsrisiken birgt, deshalb ist es auch keine gute Idee, diese Experimente im Produktivsystem zu machen. Bei mir läuft OpenClaw auf eigener Hardware und es ist noch sehr, sehr viel Finetuning und Konfiguration notwendig, bis das System meinen Anforderungen entspricht.

Über meine Erfahrungen werde ich hier berichten.

Sonntag, 10. Mai, 2026

Raus aus Big Tech #9 - Laptops aus Europa?


Einleitung Raus aus BigTech: Laptops aus Europa

Wenn wir über digitale Souveränität reden, sprechen wir meistens über Cloud, Messenger, Office, Betriebssysteme und Big Tech. Alles richtig. Aber irgendwann sitzt man trotzdem vor einem Laptop. Ganz ehrlich: Einen vollständig europäischen Laptop gibt es praktisch nicht. Die Bauteile kommen aus internationalen Lieferketten. Aber egal ist es trotzdem nicht, wo man kauft.

Interessant sind für mich vor allem Schenker/XMG und TUXEDO Computers. Beide kommen aus Deutschland, beide setzen auf konfigurierbare Geräte, beide sind näher an der digitalen Souveränität dran als andere Hersteller. Positiv ist auch: Bei XMG/Schenker und TUXEDO ist Aufrüstbarkeit nicht nur Marketing. RAM- und SSD-Upgrades sowie Wartung sind ausdrücklich vorgesehen. Bei sachgerechtem Vorgehen verliert man laut Herstellerangaben nicht automatisch die Garantie. Wer beim Umbau etwas beschädigt, kann dafür natürlich nicht den Hersteller verantwortlich machen, aber allein das Öffnen des Geräts ist hier nicht das Problem.

Schenker/XMG aus Leipzig bietet neben Businessgeräten auch starke Gaming-Laptops an.

TUXEDO Computers finde ich besonders spannend, weil die Geräte auf Linux ausgelegt sind.

Natürlich macht ein europäischer Anbieter noch keinen perfekten souveränen Laptop. Wenn Windows drauf läuft, hängt man trotzdem wieder tief im Microsoft-Ökosystem. Wenn die Cloud daneben OneDrive heißt, ist auch nicht viel gewonnen. Und die Hardware-Lieferkette bleibt global. Aber: europäische Firma, europäischer Support, transparente Konfiguration, Linux-Fokus und reparaturfreundlichere Ansätze sind trotzdem Schritte in die richtige Richtung.

Nebenbei kann man sich auch Slimbook aus Spanien anschauen.

Ich habe vor, über den Sommer auf Linux zu wechseln - die Entscheidung über die Hardware habe ich noch nicht endgültig getroffen. Stay tuned!